Coins für die Fliegerstaffel

Silberne Wölfe an der Donau

Für sein Team, welches die Jetpiloten in Neuburg an der Donau im Eurofighter-Simulator (ASTA-Aircrew Synthetic Training Aids) auf den Einsatz vorbereitet, hat Franz Männling einen individuell gestalteten Einsatzcoin in Auftrag gegeben

Herr Männling, auf dem Challenge Coin, für den Sie sich entschieden haben, springt einem als Erstes ein Wolf ins Auge. Was hat ein Wolf mit einem Flugsimulator zu tun?

Das bezieht sich auf die „Silver Lobos“, eine Ausbildungseinheit in Amerika, bei der über Jahrzehnte alle Phantom-Piloten der Luftwaffe ausgebildet wurden – von 1973 bis 1992 in Kalifornien, später in New Mexico. Das Wort „Lobo“ ist spanisch und heißt Wolf.

Gibt es diese Einheit noch?

Nein, sie wurde 2004 aufgelöst. In meinem Team sind zehn ehemalige Piloten angestellt, die alle als Schüler in den USA auf das Waffensystem Phantom geschult wurden und ein dreiviertel Jahr lang die Ausbildung bei den „Silver Lobos“ genossen haben. Sechs meiner Leute arbeiteten im Verlauf ihrer fliegerischen Karriere als Flug- und Waffenlehrer für drei Jahre noch einmal in dieser Staffel. Deshalb haben wir den engen Bezug zu den „Silver Lobos“.

In Ihrer Einheit leben die silbernen Wölfe also weiter …

Ja. Auch wenn die Staffel aufgelöst wurde, weiß jeder in unserem Team, was und wer die „Silver Lobos“ waren. In unserer Einheit sind die meisten von ihnen davon übrig geblieben. Insofern kennt jede ehemalige Phantombesatzung die „Silver Lobos“ – da es sie nicht mehr gibt, haben wir uns angemaßt, den Namen zu übernehmen

Wie erklärt sich die Zahl 743 auf dem Coin?

743 setzt sich zusammen aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 74, die 3 steht, neben den zwei fliegenden Staffeln, für die informelle dritte Staffel.

Hinter dem Wolf erahnt man den Eurofighter sowie die Silhouette von Neuburg an der Donau.

So ist es. Unseren Standort in Neuburg an der Donau, wo unsere militärische Einheit und der ASTA Eurofighter Flugsimulator stationiert sind, wollten wir unbedingt mit auf den Coin aufnehmen.

… so wie auch den Wolf als denjenigen, der vorausgeht und seine Spuren hinterlässt. Was wollten Sie damit ausdrücken?

Wir sind zwar Zivilisten, arbeiten aber für die Bundeswehr, für die Luftwaffe. Mein Team, welches die Piloten der Jagdstaffeln im Eurofighter Flugsimulator trainiert, hat den Anspruch, „Ahead of the Pack“ zu sein, also „der Meute vorauszugehen“. So steht es auch auf unserem selbst gestalteten Einsatzcoin.

Worin spiegelt sich dieser Anspruch wider?

Als Simulator trainieren wir die Kampfpiloten der Luftwaffe hier in Neuburg und bilden sie für ihren Einsatz aus. Wenn sie auf eine Übung gehen, etwa nach Spanien, Frankreich, Estland oder Polen, bereiten wir sie darauf vor – mit allem, was der Pilot im normalen Luftraum nicht machen kann, sodass der Pilot dann ein Déjà-vu-Erlebnis hat, wenn er vor Ort mit dem Eurofighter losrollt. Dann kennt er sich bereits aus.

Wie wirkt sich das auf die Piloten aus?

Dadurch minimieren sich Anstrengung und Druck, wenn man in der ersten Zeit am Übungsort fliegt.

Wie lange dauern die Trainings im Simulator?

Wenn das Geschwader an einem anderen Ort zum Einsatz kommt, dann müssen wir schon weit im Voraus Daten sammeln und Szenarien entwerfen. Ungefähr sechs bis acht Wochen vor der Übung beginnen wir das Training mit den Piloten im Simulator.

Dabei kann eine Ausbildungssession mit Vorbesprechung, Simulationsflug und Debriefing schon mal sechs Stunden dauern.

Sie reisen dann ab – und sind bestens vorbereitet.

„Ahead of the Pack“ ist also nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinn zu verstehen?

Genau, das Motto auf dem individuell gestalteten Militärcoin hat durchaus eine tiefschichtigere Bedeutung. Mein Ziel als Leiter dieser Simulator-Abteilung ist es, dass wir mit dem Simulator sowohl dem Flugzeug, als auch der realen Welt immer einen Schritt voraus sind! Das ist ein hehrer Anspruch, da er einen gewissen Druck erzeugt.

Bei welchen Gelegenheiten kommt dann ihr eigens kreierter Militärcoin zum Einsatz?

Unter den Piloten wird oft „gechallenged“, also herausgefordert, ob man den Coin bei sich trägt und damit zeigen kann, zu welcher Einheit man gehört. Das ist eine Tradition, ein Ritual, das ebenfalls aus Amerika kommt – so habe ich es bei meiner Ausbildung und als Fluglehrer in den USA erlebt: Da war es schon immer Usus, den Coin dabei zu haben.

Und was passiert dann?

Wer den Coin „challenged“, ihn also aus der Hosentasche zieht, fordert damit alle anderen auf, ihren Coin zu zeigen. Wer ihn zum Beispiel auf einer Staffelfeier nicht innerhalb einer Minute zeigen kann, muss den anderen eine Runde in der Bar spendieren.

Und wenn ihn alle dabei haben?

… dann muss derjenige zahlen, der „gechallenged“ hat. Eine Win-Win-Situation also!

Staffelfeiern klingen fast zu erwartbar… wo liegt da der Reiz?

Natürlich weiß ich, dass so etwas auf einer Staffelfeier kommen wird. Aber der Reiz, den Militärcoin in unerwarteten Situationen oder an außergewöhnlichen Orten zu ziehen, ist natürlich groß. Im Schwimmbad zum Beispiel oder am letzten Januarwochenende beim Neuburger Donauschwimmen –  da trägt man einen Neoprenanzug und plötzlich holt einer seiner Einsatzcoin heraus. Das ist dann eine völlig überraschende Situation und eine große Herausforderung.

Einmal abgesehen vom Fun Faktor des Coin Checks – welche anderen Aspekte schätzen Sie ihrem selbst gestalteten Coin?

Der individuelle Challenge Coin bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Identifikation mit der Einheit und seiner eigenen Arbeit zu vertiefen und die „Corporate Identity“, das Zusammengehörigkeitsgefühl, weiter zu entwickeln und zu verstärken.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Sehr sogar. Wir haben damals mit dem Unternehmen „derTaler“ einige Entwürfe hin und her geschickt – so lange, bis ich das Ergebnis stimmte. Unser Einsatzcoin ist genauso, wie ich ihn mir gewünscht habe: einfach, schlicht, nicht bunt, versilbert – und hat ein tolles Design. Und alles, was uns wichtig ist, findet darauf Platz.